Ethische Gründe für die vegane Lebensweise

Für die meisten Menschen, die sich entscheiden, vegan zu leben, ist der ethische Aspekt entscheidend. Dies bedeutet, dass Tieren Rechte zugesprochen werden und dass sich der Mensch nicht anmaßen darf, andere Lebewesen für seinen eigenen Genuss leiden zu lassen. Jedes Produkt, welches im Zusammenhang mit Tierausbeutung steht, wird abgelehnt. Es geht nicht um eine Verbesserung der Haltungsbedingungen von Tieren, sondern um eine Abschaffung dieser ausbeutenden Industrie.

Ist die imaginäre Grenze zwischen Mensch und Tier nicht längst aufgeweicht?

In unserer Kultur ist es üblich, Hunde und Katzen als Haustiere zu schätzen, Rinder und Enten hingegen zu verzehren. In anderen Ländern gelten Rinder als heilig und Hunde landen auf dem Teller. Jeder Verbraucher zieht für sich eine zumeist kulturell geprägte Grenze, welche Tiere geliebt werden und welche man essen kann. Doch woher nehmen wir die moralische Legitimation, andere Lebewesen für unseren Genuss und materielle Bereicherung leiden zu lassen? Wenn der Mensch sich als das fortschrittlichste Lebewesen empfindet, geht damit nicht auch eine Verantwortung anderen Lebewesen gegenüber einher? Weshalb legitimiert er hingegen sein grausames Handeln durch diese angebliche Überlegenheit?

Abstrahierung von getöteten Lebewesen 

Im Supermarkt begegnen uns tote Lebewesen in einer sehr abstrakten Form, in der das ursprüngliche Tier und dessen Martyrium nicht mehr zu erkennen ist. Unblutig in Portionen verpackt, kann man von Schweinen, Rindern und Hühnern nicht mehr viel erkennen, sodass es dem Konsumenten einfach gemacht wird, die Zusammenhänge auszublenden. Jedes tierische Produkt im Supermarkt ist ein Produkt von Tierquälerei, und das ausnahmslos, unabhängig davon, ob es sich um Eier, Joghurt oder Steaks handelt, ob es Bioqualität aufweist oder konventioneller Natur ist.

Legitimation von Tierausbeutung

Tierschutz wurde in Deutschland im Jahr 1871 zum ersten Mal im Gesetz verankert. Hier stand jedoch nicht die Achtung vor dem Tier im Vordergrund, sondern vielmehr die Ächtung der Menschen, die Tiere quälen. Es ging es also nicht primär darum, Tiere vor uns Menschen zu schützen, sondern uns Menschen selbst vor Verrohung und Desensibilisierung. Im heute gültigen Tierschutzgesetz ist festgelegt, dass Wirbeltiere nicht ohne vernünftigen Grund getötet oder gequält werden dürfen. "Vernünftige Gründe" gibt es aber angeblich viele.

Der Mensch nutzt Tiere in Zoos, Tierversuchslaboren, Zirkussen, in der Küche oder für die Kleidung. Und das ganz selbstverständlich. Dabei müssten wir aufgrund der für uns selbst proklamierten moralischen Überlegenheit über alle anderen Lebewesen in der Lage sein, die hier vorherrschenden Missstände zu erkennen und zu beseitigen. Stattdessen wird der Eindruck des "Nutztiers" als Produktlieferant noch zementiert, täglich medial vorgeführt und auch gerechtfertigt. Und das in Anbetracht immer neuer Forschungsergebnisse, die uns Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der Tiere eröffnen, die über ähnliche Grundbedürfnisse verfügen wie wir Menschen: das Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit und Freiheit zum Beispiel. Wer gibt uns in Anbetracht dieser Erkenntnisse das Recht, Tiere nach Belieben auszubeuten? Was, außer den eigenen eingefahrenen Verhaltensweisen, hält uns davon ab, Tiere endlich als das zu betrachten, was sie sind: fühlende Lebewesen?

Massentierhaltung

Tiere in Massentierhaltung, wie sie für die Fleisch-, Ei- und Milchproduktion üblich sind, bedeuten Leid und Qual für zahllose Individuen weltweit. Fühlende Lebewesen werden auf Produktionseinheiten reduziert und der maximal mögliche Gewinn ist alles, was die Industrie interessiert. Männliche Rinder und Schweine werden ohne Betäubung kastriert und durch technische Fehler erleben sie ihre Schlachtung zum Teil bei vollem Bewusstsein mit. Viele Menschen lehnen Massentierhaltung ab, kaufen dieses Fleisch aber in ihrem Supermarkt. Selbst in der Bio-Haltung gibt es Massentierhaltung und andere Missstände. Es gibt kein Fleisch von glücklichen Rindern zu kaufen, nur von toten.

Transport in den Schlachthof (c) Soylent Network

Getötet wird da, wo es am günstigsten ist, sodass die Tiere zusammengedrängt in LKWs oder auf Schiffen durch große Teile der EU transportiert werden. Im Sommer leiden sie großen Durst, im Winter frieren sie teilweise an den Gitterstäben fest. Diejenigen, die keine Kraft mehr haben, um die Transportmittel zu verlassen, werden mit Elektroschocks gezwungen oder mit Seilen zur Schlachtbank gehievt. Wer Eier, Milch oder Fleisch konsumiert, beteiligt sich somit an diesen Transporten. Das Bio-Label macht keinen Unterschied: die Tiere aus Bio-Haltung sterben in denselben Schlachthöfen wie die Tiere aus konventioneller Zucht.


Foto: (c) Soylent Network

Eier und „Geflügel“

Hühnern und Enten wird der Schnabel gekürzt und sogenannte Schlachthähnchen auf rasantes Wachstum getrimmt und mit Hormonen vollgepumpt. Legehennen werden außerdem dahingehend überzüchtet, möglichst viele Eier zu legen, sodass sich der Körper das Kalzium für die Schale aus den Knochen des Tieres zieht. Legehennen werden nach kurzer Zeit bereits geschlachtet, da sie krank und schwach werden.

Totes Kueken aus der Eierproduktion (c) Haike Strate / Peta

Für die Eiproduktion sterben jährlich 45 Millionen Küken in Deutschland, denn die männlichen Küken werden in der Zucht nicht benötigt, da sie keine Eier legen können und nicht als Schlachthähnchen geeignet sind. Sie sind nicht auf Fleischwachstum gezüchtet und somit wäre eine Mast unrentabel.

Sie werden sowohl in der konventionellen als auch in der biologischen Zucht kurz nach dem Ausschlüpfen selektiert und vergast oder zerstückelt. Anschließend finden sie Verwendung in der Tiernahrung. 


Foto: (c) Haike Strate / Peta

Milch

Milch geben Rinder lediglich, wenn sie Kälber geboren haben. Die Kühe werden dementsprechend in ihrem kurzen Leben ohne Unterbrechung geschwängert, kurz nach der Entbindung von ihren Nachkommen getrennt und ihnen die Muttermilch für den Menschen gestohlen. Die männlichen Kälber werden getötet und in der Fleischindustrie verwertet. Milch- und Fleischproduktion gehen somit Hand in Hand. Die Mütter dieser Kälber sind durch die ununterbrochenen Schwangerschaften nach vier bis fünf Jahren so schwach und ausgelaugt, dass sie ebenfalls zur Schlachtbank geführt werden.

Bioprodukte und sogenannte artgerechte Haltung

Auch in der BioBegriffe wie „öko“, „bio“ und „artgerechte Haltung“ suggerieren dem Verbraucher, dass Tiere auf Bio-Höfen ein angenehmes Leben führen würden. Leider sind diese Siegel mehr Schein als Sein und ein gutes Gewissen lässt sich damit nicht erkaufen, denn die Haltungsbedingungen unterscheiden sich in der Praxis nur minimal von denen konventioneller Höfe und geschlachtet wird in denselben Anlagen: dort, wo es am billigsten ist. Zudem bestehen auch in der Bio-Haltung die üblichen Problematiken der zahllosen Küken und Kälber in der Ei- und Milchproduktion, die schlicht überflüssig sind und entsprechend getötet werden.
produktion werden Tiere nicht totgestreichelt, verfügen vielleicht über ein paar Zentimeter mehr Platz, durchleben aber dennoch dieselbe Panik wie ihre Artgenossen in konventioneller Haltung, wenn sie sterben müssen, nachdem sie ein paar Tage länger leben durften. Bioqualität mag etwas besser für den Menschen sein, da weniger Antibiotika enthalten sind, besser für die Tiere ist sie nicht. Wer der Meinung ist, die Tiere der Biolandwirte hätten ein schönes Leben gehabt und somit sei es in Ordnung, diese Lebewesen aus „artgerechter“ Haltung zu verzehren, möge sich anschauen, wie gering die Unterschiede konkret vor Ort sind. Auch „Biorinder“ trennt man keinen Monat nach der Geburt von ihren Kälbern, mit Glück etwas später. Auch ein Biobauernhof ist auf Rentabilität ausgelegt. Somit lässt sich auch mit dem Biosiegel kein reines Gewissen erkaufen, denn die glückliche Kuh ist diejenige, die bis zu zwanzig Jahre alt wird und potentielle Kinder behalten darf. Eine sogenannte artgerechte Haltung entpuppt sich als ein Marketing-Märchen, darauf ausgelegt, das schlechte Gewissen des Verbrauchers zu beruhigen.

'Bio'-Kalb - von der Mutter getrennt (c) Soylent Network

Auch sogenannte "Bio-Kälber" werden frühzeitig von ihrer Mutter getrennt. Dass die Mutter-Kind-Bindung bei den intelligenten Säugetieren sehr stark ausgeprägt ist, zeigen Kühe sowie ihre Kälber durch tage- und nächtelanges Rufen. Während den weiblichen Nachkommen ein ähnliches Schicksal wie ihren Müttern bevorsteht, enden die männlichen Kälber nach wenigen Wochen im Schlachthof. Geschlachtet werden "Bio-Tiere" in denselben Anlagen wie konventionell gezüchtete Tiere. Für Vegetarier wichtig: "Lab", das für die Produktion der meisten Käsearten benötigt wird, wird aus den Mägen neugeborener Kälber entnommen. 


Foto: (c) Soylent Network

 

Wild

Wer WildWer Wildfleisch konsumiert, umgeht zwar die Problematik der Massentierhaltung. Allerdings opfern sich auch Wildschweine und Rehe nicht freiwillig für unsere Gaumenfreude. Jagd ist grausam, verängstigt die Tiere und bereitet ihnen oft einen qualvollen Tod, da der erste Schuss nicht immer tödlich ist.

Außerdem fördert die Jagd die massive Vermehrung der Tiere und damit einhergehende Schädigungen in der Natur, da die Tiere auf Verluste mit einer größeren Nachkommenschaft reagieren, was die Jäger wiederum als Begründung für ihr Hobby angeben. Von ethischen Aspekten abgesehen, ist Wild auch aus gesundheitlichen Gründen nicht zu empfehlen, da überwiegend mit Bleimunition geschossen wird, was das Fleisch massiv belastet und sich bei Verzehr negativ auf den Menschen auswirken kann. 
fleisch vorzieht, umgeht zwar die kritische Haltung, verdrängt aber, dass diese Rehe und Wildschweine ebensolche Schmerzen und Panik verspüren, wenn sie getötet werden, wie jedes andere Tier auch. Von der Vergiftung der Umwelt durch die bei der Jagd üblicherweise verwendeten Bleigeschosse ganz abgesehen.

Vegane Lebensweise als Alternative

Immer mehr Menschen sprechen sich gegen diese auf maximale Ausbeutung ausgelegte Industrie und gegen die Ungleichbehandlung der Lebewesen aus. Enten oder Schweine sollten dasselbe Recht auf ein schmerzfreies und selbstbestimmtes Leben haben wie Menschen. Die Vorstellung, der Mensch dürfe sich aus rein egoistischen Gründen - nämlich für dessen Genuss - über die Unversehrtheit seiner Mitlebewesen stellen, ist abwegig

Der Mensch ist in der Lage, seinen persönlichen Entscheidungsspielraum auszunutzen und kann entscheiden, sich gegen Qual und Leid auszusprechen und das breit gefächerte und nicht minder gesunde und schmackhafte AlternativIn den meisten Supermärkten und Discountern bekommt man mittlerweile vegane „Molkerei“produkte (Sahne, Joghurt, Milch) und Tofu-, Seitan-, und Lupinenprodukte wie Würstchen, Schnitzel oder Steaks. Viele Drogerien führen vegane Kosmetik und auch in Bioläden und Reformhäusern existiert ein meist sehr gutes Angebot an Käse, Keksen und Fleischersatz. Einige Städte verfügen sogar über komplett vegane Läden, in denen man an Ei-Ersatz oder Gummibären kommt. Wer in einer Kleinstadt oder auf dem Land lebt und keine Bezugsmöglichkeit vor Ort kennt, kann sich im Internet versorgen. Mittlerweile gibt es beinahe kein einziges Produkt mehr, welches nicht auch in einer veganen Version verfügbar wäre. 
angebot zu nutzen, welches nicht in allen, aber in vielen Teilen der Welt existiert. Man kann nicht damit argumentieren, dass Menschen „schon immer“ Fleisch gegessen haben als Grund dafür, es fortzusetzen, oder, dass es „natürlich“ sei. Menschen haben auch schon immer Kriege geführt, was es nicht richtiger macht.

Aber, „Gesellschaften entwickeln sich weiter, unsere Moral entwickelt sich ebenfalls weiter“, schreibt treffend die Publizistin Hilal Sezgin in einem ihrer zahlreichen Essays. Menschen sind keine Roboter, die stumpf das tun müssen, was ihre Vorfahren getan haben. Menschen haben die Wahl, welche Lebensweise sie aussuchen, und im Gegensatz zum Löwen in der Savanne haben wir im Supermarkt die Wahl, was wir konsumieren wollen, was wir unterstützen und was nicht. Eine Industrie, die fühlende Wesen auf ihren ökonomischen Wert reduziert, die nach maximaler Leistung in minimaler Zeit verlangt und die auf die Bedürfnisse der Tiere nur insofern Rücksicht nimmt, wie die Rentabilität es zulässt, kann kein Teil einer bewussten, modernen Lebensweise sein.

Empfehlenswerte Literatur zum Thema Tierethik: "Tiere essen" von Jonathan Safran Foer und „Vegan! Vegane Lebensweise für alle“ von Marc Pierschel



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Ferkel

Dieses Ferkel ist 2 Monate alt. Es lebt gerne mit seinen Artgenossen in einem Rudel zusammen.

Schweine sind sogar intelligenter als Hunde und kommunizieren mit etwa 20 verschiedene Lauten untereinander.

Kaum ein Mensch weiß, dass Schweine in ihrer natürlichen Umgebung Nester bauen.