Veganismus für Klima und Umweltschutz

Viehzucht ist der Klimakiller Nummer 1. Durch die Produktion von Tierprodukten belasten die Menschen Böden, Trinkwasser, Wälder, Meere und vor allem das Klima. Und wer glaubt, mit Wild- oder Biofleischkonsum die Umwelt zu entlasten, irrt.

CO2, Methan, Phosphor und Nitrit

Die Problematik um CO2 wird in der medialen Diskussion regelmäßig thematisiert und eine CO2-bewusste Lebensweise zunehmend etabliert. Aber der größte Klimakiller, die Fleischproduktion, ist selten Bestandteil dieser Diskussion. Sogenannte Hochleistungsrinder benötigen Hochleistungsfutter, denn die Milchmengen, die von den überzüchteten Rindern mittlerweile produziert werden, können durch eine Fütterung mit artgerechter Nahrung nicht mehr erreicht werden. Heu verfügt nicht über genügend Kalorien. Also füttert man zum Beispiel Soja oder Weizen, häufig auf den Flächen früherer RegenwälderSterben die Regenwälder für vegane Produkte? Das exakte Gegenteil ist korrekt: Regenwälder sterben für den Fleischkonsum. 80% des weltweit angebauten Sojas geht in die Futtermittelindustrie für Fleisch, 10% in die Spritherstellung, der Rest in die Herstellung von Margarine und Sojaprodukten.

Würde man die Sojabohnen direkt verarbeiten und als Nahrung verkaufen, anstatt sie zu verfüttern, könnten mehr Menschen davon leben und es würden viel weniger Flächen benötigt. Veganismus schont also die Wälder. Biosojabohnen werden häufig in Europa angebaut und falls die Herkunft bei einem Produkt nicht nachvollziehbar sein sollte, kann auf Seitan (Weizen) oder Lupinen (eine Pflanze, die sich auch in Deutschland züchten lässt) zurückgegriffen werden.
angebaut. Immer mehr Weideflächen werden benötigt, um die steigende Nachfrage nach Fleisch zu stillen. Dadurch werden nicht nur die Regenwälder abgeholzt und der Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzenarten vernichtet, sondern auch immer mehr Böden umgegraben und somit in der Erde gebundenes CO2 in die Atmosphäre freigesetzt. Die gefällten Bäume können ebenfalls kein CO2 mehr binden. Dazu kommt das noch deutlich klimaschädlichere Methan, welches die Rinderherden während des Verdauungsprozesses produzieren. Auch darf man nicht unterschätzen, was die Beheizung der Ställe der 1,2 Milliarden Rinder weltweit an klimaschädlichen Treibhausgasen zur weltweiten Bilanz beiträgt.

Emissionen durch tierische Lebensmittel (c) Böll-Stiftung

Der durchschnittliche deutsche Verbraucher verursacht eine jährliche Emission von über 2000kg CO2 allein durch den Konsum von tierischen Lebensmitteln.

Dabei liegt die CO2-Emission aus dem Konsum von Schweinefleisch (435 kg) vor der aus Rindfleisch (280kg) - gefolgt von Milchprodukten wie Käse (179kg), Frischmilcherzeugnisse (149kg) und Butter (89kg).

Der CO2-Emissions-Anteil der pflanzlichen Lebensmittel beträgt hier lediglich 31,2%.


Grafik (c) Heinrich-Böll-Stiftung

Würde man den Fleischkonsum heute stoppen, entspräche dies CO2-technisch dem Stopp sämtlicher Fahrzeuge weltweit, inklusive Flugzeuge. Doch nicht nur Fleisch weist eine der schlechtesten CO2-Bilanzen bei den Lebensmitteln auf. Stark fällt außerdem Käse ins Gewicht, da der Herstellungsprozess so aufwendig ist: vom Futteranbau über die Milchproduktion bis hin zur Verarbeitung der Milch wird CO2 in großen Mengen freigesetzt.

Deswegen schließen sich eine Fleisch beinhaltende oder vegetarische Ernährungsweise, die auch den Konsum von klimaschädlichen Milchprodukten beinhaltet, und Umweltschutz aus.

Ist Bio besser?

Fleisch mit Biosiegel ist nicht viel umweltfreundlicher als das konventionell erzeugte Äquivalent. Zwar wird das Futter nicht mit Pestiziden behandelt und Antiobiotika werden sparsamer verabreicht, aber die "Bio-Tiere" dürfen auch länger leben, benötigen daher noch mehr Futter, Wasser und die damit einhergehenden Ressourcen und produzieren mehr klimaschädliches Methan als die in konventioneller Zucht gehaltenen Tiere.

Wasserschutz

Nicht nur, dass etwa 15.500 Liter Wasser für die Produktion eines einziges Kilogramm Rindfleisch benötigt werden, die Exkremente verschmutzen zudem das Meer- und Grundwasser. Das den Exkrementen als Dünger zugesetzte Nitrit gerät in das Grundwasser und kann Krebs verursachen, wenn es in die Nahrungskette gelangt, ebenso versickern aus der Gülle Phosphor und von den Futterpflanzen Pestizide im Boden.
Auch die Meere sind betroffen. Die Umweltbelastung durch Stickstoff ist  ebenfalls auf die Exkremente zurückzuführen, mit der die Massen an Futterweizen gedüngt werden, was man zum Beispiel in der Nordsee beobachten kann. Das Algenwachstum steigt, es kommt zu Sauerstoffmangel, Fische werden anfällig für Schädlinge, Seesterne und Muscheln sterben aus (Eutrophierung). 

Fischfang, Fischzucht und Riffsterben 

Auch riesige Fischfarmen im Meer verpesten mit ihren Exkrementen das Wasser. Übrigens sind viele Fische wie Lachse Fleischfresser und werden somit auf den Farmen mit wild gefangenem Fisch gefüttert. Für ein Kilogramm Zuchtlachs werden etwa vier bis fünf Kilogramm Wildfisch benötigt. Die weltweiten Bestände schützt der Konsum von gezüchtetem Fisch also auch nicht. Außerdem verbreiten sich in den engen Becken trotz massenhafter Antibiotika-Vergabe leicht Krankheiten, die schnell ganze Schwärme infizieren. Häufig geraten die Erreger dann ins offene Meer und töten auch die wilden Artgenossen.
Wer glaubt, mit Wildfisch besser bedient zu sein, irrt: 70% der weltweiten Fischbestände gelten als überfischt. Die riesigen Fangnetze wiegen bis zu fünf Tonnen, die über den Meeresboden schleifen. Durch ihr Gewicht werden ganze Riffe zerstört, wodurch das ökologische Gleichgewicht empfindlich gestört wird. Außerdem sterben unzählige Albatrosse, Schildkröten und Delfine neben den Fischen in den Netzen. 

Waldsterben durch Ammoniak

Selbst das Waldsterben lässt sich zum Teil auf die Luftverschmutzung durch die Verdunstung des Ammoniak in der Gülle zurückführen. Waldgebiete um Massentierhaltungsstallungen sind teilweise nachweislich stark geschädigt, was man besonders in den Niederlanden beobachten kann.

Lederproduktion und Umweltverschmutzung

Leder ist kein Nebenprodukt, welches zufällig übrig bleibt, wenn Rinder getötet werden. Es handelt sich vielmehr um eine fest kalkulierte Größe und das wichtigste Co-Produkt in der Fleischproduktion. Bis zu 60% des Gewinns entstammen den Tierhäuten - und das schadet der Umwelt massiv. Um aus Tierhäuten Leder herzustellen, werden große Mengen an Chemikalien benötigt, darunter unter anderem Formaldehyd und Chrom. Die Abwässer der Gerbereien sind mit Blei, Zyanid und Säuren belastet, was man im Grundwasser nahe solcher Anlagen messen kann. Der Wasserverbrauch der Gerbereien ist zudem extrem hoch. Häufig stammt das in Europa käufliche Leder aus Asien, wo die Tiere unter noch erbärmlicheren Umständen gehalten werden als bei uns.

Bienensterben

Nicht nur Umweltschützern ist das Phänomen des weltweiten Bienensterbens ein Begriff, welches auch die menschliche Ernährung bedroht: ohne Bienen keine Bestäubung und somit kein Gemüse. In den USA wurden tote Bienen untersucht, in denen man gleich mehrere Virusarten und eine Milbe entdeckte. Das Immunsystem der Tiere war komplett kollabiert. Dies ist neben der allgemein immer höheren Belastung durch Chemikalien auf den Feldern auch darauf zurückzuführen, dass die Bienenlarven anstelle ihrer natürlichen Nahrung, dem Honig, einen vitaminarmen Ersatzstoff aus Zuckerwasser erhalten, der sie nicht gegen Krankheiten abhärtet. Auch der Mensch wird krank, wenn er die falsche Nahrung konsumiert. Honigkonsum unterstützt somit das Bienensterben und die damit einhergehende reduzierte Biodiversität. Und ohne Bienen und ihre Bestäubung von Pflanzen gäbe es letztlich nichts mehr zu essen.

Jagd

Nach diversen Gammelfleischskandalen erfreut sich Wildfleisch zunehmender Beliebtheit. Doch die Mehrheit der Jäger nutzt bleihaltige Munition. Vor allem Raubvögel sterben in den Wintermonaten durch den Verzehr von mit Blei belastetem Aas. Nicht nur unzählige Rehe und Wildschweine, sondern auch Seeadler sterben somit durch die Jagd. Das Blei kann sich außerdem negativ auf die Böden auswirken und kontaminiert dadurch die Umwelt. 

Genmanipulierter Weizen

Immer häufiger kaufen Bauern Saatgut von den großen Gentechnikfirmen, um den Ertrag zu steigern und den immer höheren Bedarf an Futtermitteln zu stillen und erhalten von Gentech-Konzernen wie Monsanto ein "Rundumsorglospaket" inklusive Pestizide, vor denen die eigentliche Saat aufgrund ihrer speziellen Züchtung geschützt ist. Dummerweise hat man die Ausbreitung dieser genmanipulierten Pflanzen überhaupt nicht im Griff und es wurde bereits nachgewiesen, dass es bei Gewächsen in der Nähe solcher Felder zu Veränderungen im Erbgut kommt und diese zum Teil bereits Resistenzen gegen die Pestizide entwickeln. Die Umweltfolgen sind hier überhaupt nicht absehbar und niemand weiß, was hier auf unsere Natur losgelassen wurde. Mit Fleischkonsum fördert man diesen massiven Weizenanbau mit Gen-Saatgut, denn direkt verarbeitet würde man gar nicht so viel Getreide benötigen, um die Menschen zu sättigen.

Literatur zum Thema: „Tierprodukte und Klimawandel“ von Martin Schlatzer oder der Fleischatlas der Böll-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem BUND, den man auch als Printversion bestellen kann.



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